SPON: Thüringen verkauft Rittergut an Rechtsextreme

Millionensummen gibt Thüringen für den Kampf gegen Rechtsextreme aus, doch nun sabotiert der Freistaat seine eigene Bemühungen: Er verkaufte ein Rittergut an ein mutmaßliches Mitglied eines einschlägigen Vereins. Experten fürchten ein neues Neonazi-Zentrum im alten Herrenhaus. Spendern, Mitgliedern und Freunden seines Vereins „Gedächtnisstätte“ verkündet: Man habe endlich eine „neue Heimstatt“ gefunden. Er meint „den Herrensitz auf dem ehemaligen Rittergut in Guthmannshausen“, einem 800-Einwohner-Dorf rund 50 Kilometer nordöstlich von Erfurt. „Wir wollen unseren Herrensitz mit Leben füllen im Gedenken an unsere zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern“, kündigt Schiedewitz an.

Der Landschaftsarchitekt aus dem niedersächsischen Seevetal wird seit Jahren vom Landesverfassungsschutz beobachtet: Deren Sprecherin stuft Schiedewitz als rechtsextremistisch ein – genauso wie die „Gedächtnisstätte“, deren Vorsitzender er ist. Der Verein wurde 1992 im ostwestfälischen Vlotho gegründet. Die Organisation ist bis heute mit Holocaust-Leugnern verbunden, zum Beispiel mit der mehrmals wegen Volksverhetzung verurteilten Ursula Haverbeck-Wetzel, Gründerin und ehemalige Vorsitzende der „Gedächtnisstätte“. Ihre beiden anderen Vereine „Collegium Humanum“ und „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ wurden mittlerweile verboten – die „Gedächtnisstätte“ ist eine ihrer letzten verbliebenen Organisationen. (weiterlesen)

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,788561,00.html