Archiv für Oktober 2013

360. Zwiebelmarkt in Weimar

Am zweiten Oktoberwochenende wird in Weimar traditionell der Zwiebelmarkt gefeiert. Mehr als 300.000 Bürger_innen aus ganz Deutschland lassen das selbsternannte Volksfest auch zu diesem werden. Das es hierbei um weit mehr geht als um die Zwiebel und ein Fest bei dem vermeintlich alle friedlich und nett zusammen feiern, zeigt ein Blick auf die Straßen der Stadt an diesem Wochenende.
Dieses deutsche Volksfest, was über die Grenzen der Stadt hinaus als tolerant und  friedlich bekannt ist, ist eine deutsche Feierlichkeit wie sie schlimmer nicht sein könnte. Auf der Internetpräsenz der Stadt Weimar zeigt man sich stolz auf die Besucherzahlen der letzten Jahre und feiert das Bühnenprogramm und die lange Tradition des Zwiebelmarktes. Die Geschichte des Festes welches bis nach 1653 zurückreicht wird in der Zeit des Nationalsozialismus ausgespart. Auch lässt die Stadt Weimar gerne aus, welche Personen sich auf dem Fest aufhalten, und welch ein Klima auf diesem herrscht.
So nutzen zum Beispiel aktive Kameradschaften und NPD-Mitglieder Jahr für Jahr das Fest um sich zu vernetzen, zu feiern und Gespräche zu führen. Hierbei bleibt es aber nicht nur bei Sprüchen, die an jedem guten deutschen Stammtischen nicht fehlen dürfen, sondern es werden auch Menschen, die nicht in das Weltbild von Fischer, Morgenroth und Co. gehören zur Zielscheibe. Dies zeigte sich im Jahre 2009 als mehrere Mitglieder einer Neonazi-Kameradschaft einen 23-Jährigen angriffen und dieser danach mit Milzriss und inneren Blutungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. (TLZ vom 12.10.09)
Während der Ostdeutschen Mandy und ihrem Mann wegen ihrer deutschen Zugehörigkeit keine Gefahr auf dem Fest droht, sieht es für Menschen die nicht „weiß“ sind schon ganz anders aus. Die nationale Meute gibt sich nicht nur durch diverse Kleidungsmarken wie „Thor Steinar“ oder „Spaß kostet!“ zu erkennen, sondern auch durch ihr Auftreten in der feiernden Bevölkerung. Wer also in diese deutsche Volksgemeinschaft, in diesen deutschen Staat, nicht hineinpasst, wird sich auf diesem Fest nicht sehr Willkommen fühlen.
In den letzten Jahren wurden Alternativen zum Zwiebelmarkt oder Aktionen die Ihn kritisieren sollten nie öffentlich beworben oder thematisiert. So gab es in den letzten Jahren eine alternative Party unter dem Motto „Reclaim your Zwiebelmarkt“ welche die Plozei auflöste und an vermeintliche Organisator_innen Strafbefehle versandte. 2011 wurde in der Rudolf-Breitscheid Str. ein Haus scheinbesetzt die Aktivisten_innen machten in ihrer Erklärung ebenso deutlich das sie das Klima welches auch damals schon auf dem Zwiebelmarkt vorherschte als aggressiv, fremdenfeindlich und homophob erachten. Dies zeigt das in diesen drei Tagen Menschen wegen Ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe oder Ihrer vermeintlich geschlechtlichen Orientierung beleidigt, verfolgt oder gar verletzt werden.
Wir wenden uns gegen diese deutsche Feierlichkeit, weil sich hier nationalistischer Stumpfsinn frei bewegen darf, homophobe Sprüche mehr als sonst schon an der Tagesordnung stehen und deutsch sein zum guten Ton gehört. Dieses Fest zeigt Deutschland so wie es ist, und genau deshelb lehnen wir es ab.

Kein Volk, Kein Fest, kein Volksfest!