„Gedenkmarsch“ in Weimar [BnR]

Thüringer Neonazis halten an ihren Plänen fest, neben den „Trauermärschen“ in Dresden und Magdeburg einen weiteren Aufmarsch zum „Bombengedenken“ zu etablieren. In Zusammenarbeit mit der NPD mobilisieren „Freie Kräfte“ zum dritten Mal zu einem Aufmarsch nach Weimar.

Unter dem Motto „Ehrenhaftes Gedenken“ waren im vergangenen Jahr etwa 90 Neonazis unter dem lautstarken Protest von rund 500 Personen durch Weimar marschiert. Mit dem Aufmarsch zum Jahrestag der Bombardierung Weimars am 9. Februar 1945 wollen die Neonazis angeblich der deutschen Opfer gedenken und damit die Geschichte in ihrem Sinn verdrehen. Noch 2012 war der Aufmarsch aufgelöst worden, weil die Neonazis nicht in der Lage gewesen sein sollen, die von der Stadt erlassenen Auflagen zu erfüllen.

Beim zweiten Versuch war Michael Fischer von der „AG Weimarer Land“ im vergangenen Jahr als Versammlungsleiter abgelehnt worden, seine Rolle hatte kurzfristig der Dessauer Neonazi Alexander W. übernommen. Anders als die angekündigten vier Stunden war der Zug schon nach 60 Minuten wieder an seinem Endpunkt, dem Bahnhof angekommen. Am 8. Februar soll jetzt der Aufmarsch bereits zum dritten Mal durch die Universitätsstadt führen, Anmelder ist erneut Michael Fischer aus einem Ortsteil von Bad Berka. Er führt den Aufmarsch in Kooperation mit der NPD durch, nach seinen Angaben werden dazu etwa 100 Teilnehmer erwartet.
Bei NPD-Kundgebung die Reihen gefüllt

Fischer ist momentan einer der Hauptprotagonisten der Thüringer Neonazi-Szene neben der NPD und gilt intern als umstritten. Von zahlreichen Gruppierungen aus der rechtsextremen Szene wurde ihm im letzten Jahr unter anderem der Versuch vorgeworfen, „einen Keil zwischen parteifreien Gruppen untereinander und zwischen freien und parteigebundenen Kräften zu treiben“. Zu den weiteren Vorwürfen gehörten „blinder Aktionismus“ und „zahlreiche qualitativ minderwertige Veranstaltungen“, außerdem habe Fischer „wahllos“ Veranstaltungen angemeldet und sie zur Bestätigung der „eigenen Person“ missbraucht. Der Streit gipfelte in einer „Stellungnahme nationaler Gruppen aus Thüringen“, die sich von Fischer offiziell distanzierten und dazu aufriefen, die Zusammenarbeit mit ihm einzustellen.

Auch der NPD-Landesverband Thüringen und der NPD-Kreisverband Erfurt/Sömmerda schlossen sich der Erklärung an. Doch die knappen personellen Ressourcen der Partei im Vorfeld der anstehenden Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen in Thüringen bewirkten offenbar ein Umdenken. War die NPD dem von Fischer am 1. Mai 2013 angemeldeten Aufmarsch in der Landeshauptstadt noch ferngeblieben, freute sie sich im Sommer über den Zulauf von ehemals verhassten Anhängern der jüngst aufgelösten Gruppierung „Pro Erfurt“. Noch nicht einmal einen Monat später füllten Fischer und seine Mitstreiter die Reihen der NPD bei einer Kundgebung in Weimar. Nach markigen Worten standen NPD-Landeschef Patrick Wieschke, Thorsten Heise und andere Mitglieder des Landesvorstandes auf dem Goetheplatz in trauter Eintracht mit Michael Fischer mit einer NPD-Fahne in der Hand.
Landesvorstand „intrigantes Verhalten“ vorgeworfen

Hingegen hat mit Roy Elbert ein langjähriger NPD-Aktivist aus dem Thüringer Landesvorstand das Banner niedergelegt und ist gleich aus der Partei ausgetreten. In seiner Rück- und Austrittserklärung spart er nicht mit harscher Kritik an der Partei in Thüringen. Im Landesvorstand seien „Werte wie Kameradschaft, Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt“ nur „leere Worthülsen, deren Bedeutung offensichtlich unterschätzt wird“. Stattdessen macht Elbert dort „‘Ellenbogen‘ und intrigantes Verhalten“ und einen „diktatorischen Führungsstil“ aus.

Der 1972 geborene Elektronikfacharbeiter war bei Kommunalwahl 2009 in den Nordhäuser Kreistag und den Stadtrat gewählt worden. Seine Mandate werde er zwar bis zum Ende der Legislatur erfüllen, kündigte Elbert an, Teil der NPD in Thüringen sei er jedoch nicht mehr. Nur zwei Tage nach dem „Neujahrsempfang“ der NPD im Freistaat dürfte Elberts Kritik einem herben Rückschlag für die Wahlvorbereitungen der Partei gleichkommen. Immerhin war er im Raum Nordhausen die führende Verbindungsperson zu den „Freien Kräften“, auf die die NPD im Wahlkampf angewiesen sein wird.

Quelle: http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/gedenkmarsch-in-weimar